Jahresbericht des Präsidenten 2016

1.     Fortbildungstag 2015

Am 19. Fortbildungstag unserer nationalen Fachgesellschaft vom 23. Oktober 2015, der von 95 Personen besucht und von 8 Ausstellern mitgestaltet wurde, beschäftigten wir uns mit den Themen „Grenzindikationen für bariatrische Chirurgie“, sowie „ADHS/ADS und Adipositas“, ferner mit 3 Fallvorstellungen aus der bariatrischen Chirurgie und 2 freien Beiträgen, sowie, einmal mehr, mit dem «Spät-Dumping».

2.     Vorstandsarbeit

Ende meines zweiten Amtsjahres verliess Prof. Dr. Kurt Laederach, Bern den SMOB-Vorstand nach vielen Jahren der Mitarbeit und wurde mit Wahlbeschluss der SMOB-Mitgliederversammlung vom 23.10.2015 durch Prof. Dr. Marco Bueter, Zürich ersetzt. Damit bildeten im laufenden dritten Amtsjahr 9 Mitglieder der SMOB-Vorstand. Die 2 Rechnungsrevisoren Dr. med. Alejandro Metzger und Dr. med. Alessandro Wildisen blieben im Amt, ebenso die Mitglieder der Rekurskommission Dr. med. Alfred Blaser, PD Dr. med. Vittorio Giusti und Frau Dr. med. Sylvia Herren. 

Der Vorstand traf sich von Januar bis September 4-mal in Bern und am Vorabend der Mitgliederversammlung einmal in Thun. Ferner hielt der Vorstand elektronisch und telephonisch Kontakt zur Beratung von Aktualitäten. Die Dienste der Rekurskommission mussten in diesem Vereinsjahr nicht beansprucht werden. Die Bemühungen der Kommission wegen einer beanstandeten Zentrumseinteilung im Vorjahr wurden dieses Jahr wegen Aufgabe des bariatrischen Leistungsangebots des klagenden Zentrums schnell Makulatur. 

Für das kommende vierte und letzte Amtsjahr vor Gesamterneuerungswahlen muss der Rücktritt unseres Gründungs- und langjährigen Vorstandsmitglieds Dr. med. Markus Naef, Thun zur Kenntnis genommen und durch ein neu zu wählendes Vorstandsmitglied ersetz werden. 

Past-Präsident Prof. Dr. Michel Suter ist seit Jahresbeginn 2016 amtierender Präsident des IFSO-European Chapter. SMOB-Vizepräsident Prof. Dr. med. Ralph Peterli, Basel ist Mitglied des Scientific Committee des IFSO-EC und organisierte gemeinsam mit Prof. Rachel Batterham von der EASO das wissenschaftliche Programm des Obesity Meeting 2016 in Göteborg/S, wobei er gegen viele internationale Widerstände den Grundgedanken der SMOB zu pluridisziplinärem Approach in der Adipositasbehandlung stets hochhielt und von der vorherrschenden Meinung der Kongressbesucher auch getragen wurde. Aus Sicht der SMOB war der Göteburger Kongress von IFSO-EC und EASO ein schöner Erfolg und wird danken Ralph für seinen substanzkostenden Einsatz. Wie 2015 angekündigt bekleidete Prof. Dr. Marco Bueter, Zürich das Amt des Chairman im Metabolic Committee der IFSO. Auch ihm gebührt ein Dank seitens der SMOB für seine pluridisziplinären Forschungsansätze. Schliesslich wird die SMOB im Konzert der IFSO-EC, neben dem amtierenden Präsidenten, nun auch durch PD Dr. med. Marc Schiesser, St. Gallen aktiv vertreten.

3.     Mitgliederbewegungen

Nach einer letztjährigen Steigerung von 159 auf 171 Mitglieder (davon 91 gleichzeitig IFSO-Mitglieder; neue Kategorie ab 2015) haben sich 2016 die folgenden Veränderungen ergeben:

8 Mitglieder wünschten ihre Mitgliedschaft aufzugeben. Darunter auch unser Gründungsmitglied und erster Präsident PD Dr. med. Fritz Horber, nachdem er seine Chefarztposition im Landeskrankhaus Vaduz aufgegeben hat und seine Praxistätigkeit wieder in der Schweiz, in Galgenen/SZ anbietet. 

Derzeit begehren 25 Bewerber eine SMOB-Mitgliedschaft, worüber diese Versammlung zu späterem Zeitpunkt zu befinden haben wird (alle Bewerber wurden von der Versammlung aufgenommen). Sollten die Mitgliederversammlung alle Anträge gutheissen, wird die SMOB zum Jahresende 188 Mitglieder repräsentieren.

4.     Zentrumslisten und Visitationen

Die seit dem 1. Mai 2016 noch gültige Liste der SMOB anerkannten Zentren umfasst mit 5 neu Dazugekommenen nun 26 Referenzzentren und neu noch 26 statt 31 Primärzentren Die Gesamtzahl von 52 SMOB-anerkannten CH-Zentren blieb damit stabil. Die am 24.11.2016 bereinigte Zentrumsliste dieses Herbstes wird in den nächsten Tagen auf unserer Website aufgeschaltet. 

Nach Genehmigung des SMOB-Visitationskonzeptes durch die Mitgliederversammlung am 23.10.2015 konnte dieses Konzept am 12.6.2016 erstmals und darüber hinaus für das visitierte Zentrum des KS Frauenfeld und die SMOB auch sehr erfolgreich in praxi umgesetzt werden. Die von Frauenfeld vorgegebene Messlatte liegt sehr hoch.

5.     Bund und Kantone (BAG und IV-HSM, Swiss Medical Board)

Seitens der Bundesverwaltung verlief das Gesellschaftsjahr 2016 ruhig. 

Seitens der Kantonalen Gesundheitsdirektionen, d.h. der IV-HSM, in der unser Vizepräsident Prof. Dr. Ralph Peterli, Basel Einsitz hat, wurde gerade eben per 25. Oktober 2016 bekannt gegeben, dass bis Jahresende 2016 die neuen «Bewerbungsverfahren» für die Leistungsaufträge in der Viszeralchirurgie laufen. Aufgrund dieser Anträge werden Ende des nächsten Jahres 2017 die neuen HSM-Leistungsaufträge zugeteilt werden. Wenn ein Referenzzentrum (gilt ausdrücklich nicht für Primärzentren, die per definitionem keine HSM-Eingriffe durchführen dürfen, cavete collegae) ab 2018 weiterhin HSM-Eingriffe auszuführen wünscht, müssen die Zentrumsverantwortlichen noch bis 20.12.2016 beim HSM-Projektsekretariat einen neuen Leistungsantrag stellen. Einmal drängt die Zeit wieder einmal. 

Die Auditierung der SMOB-anerkannten Referenzzentren hat Fahrt aufgenommen. Obwohl die IV-HSM für die Audits auf die Daten der AQC zurückgreift und grundsätzlich die Kriterien der SMOB-Richtlinien zur Überprüfung dienen, haben sich einige, bürokratisch unterschiedlich bewertete Differenzen herauskristallisiert. Der SMOB-Vorstand bemüht sich nun, diese Differenzen für künftige Audits bzw. Visitationen zu bereinigen, damit diese auch für ein Zentrum administrativ aufwendigen Übungen unseren Mitgliedern nicht zum Ärgernis werden. 

Das Swiss Medical Board (SMB) hat zum Thema der «bariatrischen Bypass-Chirurgie» mehrmals getagt und veranstaltete am 31.3.2016 in Bern eine «Stakeholder»-Konferenz, an der ich aktiv teilgenommen habe. Wie unsererseits erhofft, hat das SMB die «Bypasschirurgie» als der konservativen Adipositastherapie deutlich überlegen befunden. Die für Jahresende 2016 erweiterte Publikation des SMB durch das «appraisal committee» steht derzeit noch aus.

6.     CHOP und AQC

2016 wurden vom Bundesamt für Statistik erweiterte CHOP-Codes für einige bariatrische Verfahren definiert, wozu sich auch die SMOB äussern konnte. Die «neuen», ab 1.1.2017 gültigen CHOP-Codes sind auf unserer Website bereits aufgeschaltet. 

In diesem Kontext muss der SMOB-Vorstand seinen Mitgliedern einmal mehr dringlich dazu raten, die Eingaben bei AQC möglichst zeitnahe zur Patientenentlassung zu tätigen und diese Eingaben entweder 

durch den Operateur selbst, oder zumindest durch eine stets gleiche, explizit damit beauftrage Person ausführen zu lassen. Ferner möchten wir darauf hinweisen, dass in Zukunft mit wachsenden Widerständen und ev. auch Regressforderungen seitens der Krankenkassen zu rechnen ist, wenn bariatrische Eingriffe (ohne explizite Kostengutsprache für jeden Einzelfall) an nicht-anerkannten Zentren durchgeführt werden, oder wenn Primärzentren Eingriffe vornehmen, die ausschliesslich Referenzzentren vorbehalten sind. Dabei spricht die Rechtslage untrüglich zugunsten der Kostenträger und nicht der Operateure.

7.     Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften (SGP, akj, SGPRAC, SGRM)

Nach jahrelang wenig fruchtbar ausgetragenen Konflikten haben die Delegierten der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und ihrer Arbeitsgruppe für Kinder und Jugendliche akj mit den Delegierten des SMOB-Vorstandes per 21.4.2016 einen Konsens für die bariatrisch-chirurgische Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gefunden. Die vereinbarten Grundsätze wurden in unsere medizinischen Richtlinien integriert und falls die SMOB-Mitgliederversammlung die getroffenen Richtlinien in diesem Bereich gutheisst, werden gleichlautende Anpassungen auch in den administrativen Richtlinien erfolgen. Beide Regelwerke werden danach zur Endredaktion dem Bundesamt für Gesundheit vorgelegt und nach Gutheissung öffentlich zugänglich gemacht und vom BAG in der KLV Anhang 1.1. voraussichtlich für verbindlich erklärt. 

Weiterhin in Arbeit sind ergänzende Richtlinien zu „Schwangerschaft und Geburt in der Bariatrie“ und zur „Rekonstruktiven Chirurgie nach bariatrischen Eingriffen“ mit den jeweiligen Fachgesellschaften.

8.     Auftritte der SMOB

Im laufenden Geschäftsjahr gab es keine nationalen Medienauftritte der SMOB. 

Die Neugestaltung einer aktualisierten, etwas «moderner» gestalteten und v.a. einfacher zu betreuenden SMOB-Website zu unserem 20. Jubiläum geht in die Endphase und der Vorstand hofft, die neue SMOB-Website unter der angestammten Adresse ab Jahresbeginn 2017 betreiben zu können. Frau Bettina Klaiber, die 2003 unsere derzeit noch funktionale Website entwarf und implementierte zeigte sich überrascht, dass die SMOB während nunmehr 14 Jahren mit ihrem sehr professionell gestalteten, aber in die Jahre gekommenen Produkt arbeiten mochte. 

Wegen des gleichzeitig mit dem SGC-Jahreskongress stattfindenden European Obesity Summit in Göteborg, war die bariatrische Chirurgie am SGC-Kongress 2016 ausnahmsweise nicht vertreten. 

9.     Ausblick 2015/16

Weiterhin soll die Liste der SMOB-anerkannten Zentren 2-mal jährlich aktualisiert und publiziert werden. Ferner sollten Visitationen der Zentren in höherer Zahl möglich werden. Mit Spannung erwarten wir das «Verdikt» des Swiss Medical Board, welches in der Öffentlichkeit wie in der Aerzteschaft für Diskussionsstoff sorgen dürfte. 

Die neue SMOB-Website in 3 Sprachen wird viel Engagement erfordern, damit sie dreisprachig, zeitnahe, spannend und doch kompetent informieren kann. Aufgrund der veränderten und v.a. generationentypischen Formen von Kommunikation und Informationsbeschaffung über Social Media werden wir uns der Frage stellen müssen, ob in Zukunft die Information Interessierter aber auch unserer Mitglieder über solche Gefässe zeitgemässer und kostengünstiger wird und unsere Website nur noch als vertiefende «landing site» dienen soll. 

Die in Arbeit befindlichen Richtlinien-Ergänzungen sollten auf einen akkuraten Stand gebracht werden und gleichzeitig wird zu diskutieren sein, ob gewisse Vorgehensweisen und Lösungsansätze, unabhängig von unseren Richtlinien, die stets eine amtliche Beglaubigung durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verlangen, nicht als «Empfehlungen» oder «Ratschläge» publiziert werden sollten. 

Die Frage nach einem nationalen bariatrischen Register (nicht nur für Kinder und Jugendliche, wie dies derzeit von Dr. med. Martin Sykora, Stans und Luzern vorbereitet wird, stellt sich mit zunehmender Dringlichkeit, und erste Abklärungen in dieser Richtung sollen 2017 an die Hand genommen werden. Neben juristischen und datenschützerischen Grundsatzfragen geht es prioritär darum, praktikable Lösungen anzudenken, die eher eine Reduktion statt eine Vermehrung administrativer Lasten mit sich bringen. Sobald wir glauben, einen präsentablen Lösungsansatz gefunden zu haben, werden wir unsere Mitglieder informieren und selbstverständlich ist jede Form der Mitarbeit herzlich willkommen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). 

Der SMOB-Fortbildungstag mit Mitgliederversammlung 2017 wird, unter Berücksichtigung der späten Schulferien in der Romandie, wiederum gegen Novemberende geplant. Nach Ausscheiden unseres langjährigen Organisators Dr. med. Markus Naef, Thun aus dem Vorstand, werden wir die Frage klären müssen, ob diese Veranstaltung weiterhin in Thun stattfinden soll, oder ob andere Orte ebenfalls für unseren Fortbildungstag berücksichtigt werden sollten. Auch hier wären uns Meinungen aus dem Kreis er Mitglieder herzlich willkommen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). 

Mit dem Ende des Vereinsjahres 2017 wird auch meine Amtszeit als Präsident der SMOB, bei deren Geburt 1996 ich schon aktiv beteiligt sein durfte, zu einem Ende führen. Ich habe die SMOB, ihre Ziele und ihr Wohl seit 1996 begleitet und soweit möglich mitgestaltet. Nun ist es Zeit für die nächsten Generationen, dieses erfreulich gewachsene und in der Gesellschaft anerkannte Pflänzchen weiter zu pflegen und zu hegen. Das Ende meiner Amtszeit wird auch das Ende meiner aktiven Mitarbeit in der SMOB sein.

 

Zürich, 23. November 2015

 

Dr. med. Renward Hauser  


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